DOXNET: LibreOffice als Baustein der Nachhaltigkeit im digitalen Office


Thorsten, Du hast zusammen mit Svante Schubert auf der DOXNET einen Vortrag über das Thema „LibreOffice als Baustein der Nachhaltigkeit im digitalem Office“ gehalten, der auf großes Interesse gestoßen ist.

Vortrag auf der DOXNET15

Bevor Du unsere Fragen zu dem Vortrag beantwortest, kannst Du uns ein paar Worte zu Deiner Person sagen? Welche Position hast Du in der CIB inne?

Seit April diesen Jahres verantworte bei der CIB den Bereich LibreOffice, dabei bin ich vornehmlich für den technischen Part zuständig, aber auch Planung und Koordination spielen eine große Rolle. LibreOffice/OpenOffice begleitet mich aber schon seit 2001 durchs Leben, damals hatte ich bei Sun MicroSystems / StarOffice angefangen. Seit 2010 und der Abspaltung von LibreOffice bin ich nebenbei auch ehrenamtlich in der TDF (Anmerkung: „The Document Foundation“) aktiv. Die TDF ist eine gemeinnützige Organisation, die die Weiterentwicklung von LibreOffice organisiert und vorantreibt, und seit Anfang 2014 stehe ich ihr als Vorstandsvorsitzender vor.

Warum ist gerade LibreOffice für Dich als Entwickler interessant?

LibreOffice ist eines der größten OpenSource-Projekte weltweit. Es ist wegen seiner Größe und der Portabilität des Quelltextes (von Windows über Linux bis zu Android) technisch wirklich anspruchsvoll. Und bei geschätzten 80 Millionen Benutzern weltweit, ist es ein gutes Gefühl, wenn der eigene Code und damit die eigene Arbeit so weit verbreitet ist. Außerdem hilft LibreOffice den „digital divide“ zu überwinden, somit kann jeder - unabhängig von Einkommen und Fähigkeiten - den Zugang zu digitalen Informationen erhalten.

Kannst Du versuchen, uns den Inhalt des Vortrags in 5 Sätzen zu beschreiben?
Was waren die Schwerpunkte?

  • Warum sind Offene Standards wichtig für den Kunden? Warum setzt der Markt zunehmend auf offene Standards?
  • Worauf ist bei Kaufentscheidungen zu achten, was ist das Angebot von CIB in diesem Bereich?
  • Was ist der Unterschied zwischen Offenen Standards und Open Source? In welchen Bereichen kann ich beides nutzen, wo kann ich mich stattdessen auch auf herstellerspezifische Lösungen einlassen?
  • Kunden haben oft hunderte von Mannjahren in ihre Dokumente und Vorlagen investiert, bei nicht-offenen Lösungen ist diese Investition aber nicht nachhaltig, da man an genau einen Hersteller gebunden ist.
  • Die Take-Home-Message des Vortrags ist - neben dem Einsatz von ODF für die Textprogrammierung - das Angebot der CIB an die Mitbewerber, die Umsetzung der alltäglichen Aspekte der Textprogrammierung gemeinschaftlich anzugehen. Mit LibreOffice als Editorkomponente.

Ist es kein Widerspruch eine kommerzielle Variante von LibreOffice anzubieten? Widerspricht das nicht dem Gedanken von OpenSource? Welche Vorteile hat eine kommerzielle Version für Anwender?

Nein, das ist ein gängiges Missverständnis. OpenSource bedeutet nicht, dass damit niemand Geld verdienen darf. Im Gegenteil ist die kommerzielle Nutzung von OpenSource i.d.R. ausdrücklich erwünscht, und auch in jeder anerkannten OpenSource- Lizenz gestattet.

Der Mehrwert eines Angebots wie z.B. „LibreOffice powered by CIB“ ist der Service Drumherum, beispielsweise Long-Term-Support, garantierte Antwortzeiten, einen Entwicklerpool, um Probleme zeitnah zu beheben - alles, was man in geschäftskritischen Bereichen gerne sicherstellen möchte. Das bedeutet also, im Gegensatz zum klassischen Softwaregeschäft wird hier kein Produkt angeboten (das Programm ist und bleibt frei), sondern Dienstleistung rund um die Freie Software.

Freie Software, hier ganz konkret LibreOffice, bietet alles was eine Privatperson benötigt. Unternehmen, gerade in einem stark regulierten Umfeld, haben aber darüber hinaus oft sehr spezielle Anforderungen und Bedürfnisse. Diesen Bedarf können wir mit „LibreOffice powered by CIB“ decken.

Wie siehst Du die Zukunft im Bereich der Dokumenterstellung? Wird es jemals das papierlose Büro geben? Und was kann OpenSource hier bewegen?

Das Dokument als physikalisches Objekt wird zunehmend „unsichtbarer“ werden, das schließt auch gedruckte Versionen ein - stattdessen werden Prozesse und Interaktionen in den Vordergrund rücken.

OpenSource bietet mittlerweile eine derart große Funktionsvielfalt in allen Bereichen der IT, dass keine IT-Firma mehr daran vorbei kommt. Insofern wird OpenSource nach meiner Überzeugung auch in der Dokumentenerstellung und -verarbeitung eine zunehmend größere Rolle spielen.

Vielen Dank für das Interview, Thorsten.


: 23.07.2015 13:39