Offene Prozessautomatisierung: Wie CIB seven und A12 digitale Souveränität ermöglichen 

Digitale Souveränität bedeutet auch, die eigene IT-Architektur langfristig selbst gestalten und weiterentwickeln zu können. Wie offene Prozessautomatisierung diesen Anspruch in der Praxis unterstützt, zeigt das Zusammenspiel von CIB seven, einer offenen Workflow-Engine auf Basis von Camunda 7, und der A12 AI Low Code Plattform von mgm technology partners.

Entscheidend ist dabei nicht nur, welche Anwendungen zum Einsatz kommen, sondern auch, wie ihre technischen Komponenten zusammenspielen und wie unabhängig sie voneinander betrieben werden können. Seit Juni 2025 setzt mgm CIB seven innerhalb der A12-Plattform ein. Die Integration verdeutlicht, wie sich eine eigenständige Prozess-Engine in eine bestehende Plattformarchitektur einfügen lässt, ohne ihre Unabhängigkeit aufzugeben.

Warum die Wahl der Workflow-Engine wichtig ist

Die A12 AI Low Code Plattform verfolgt einen modellgetriebenen Ansatz: Anwendungen und Prozesse werden anhand von Modellen beschrieben, die Plattform stellt die technische Grundlage für ihre Umsetzung bereit. Zu den Modellen gehören unter anderem:

  • Datenmodelle,
  • Dokumentmodelle,
  • Oberflächenmodelle,
  • Regelmodelle und
  • Workflowmodelle.
Für die Ausführung von Workflows nutzte mgm lange Zeit die Community Edition von Camunda 7. Als deren freie Weiterentwicklung auslief, stellte sich die Frage, wie bestehende Prozesse auf einer offenen und langfristig weiterentwickelten technologischen Grundlage fortgeführt werden können.

Die Entscheidung fiel auf CIB seven, die unter der Apache-2.0-Lizenz verfügbare Open-Source-Fortführung von Camunda 7 und damit eine naheliegende Camunda-7-Alternative. Damit kann mgm auf einer vertrauten technologischen Basis aufbauen und gleichzeitig von der Weiterentwicklung der Engine profitieren.

Ein wesentlicher Vorteil des Wechsels war, dass der vorhandene Code unverändert weiterverwendet werden konnte. Anpassungen am bestehenden Code waren für den Austausch der Workflow-Engine demnach nicht erforderlich. Das zeigt, dass sich eine technologische Modernisierung umsetzen lässt, ohne bewährte Lösungen grundsätzlich neu entwickeln zu müssen.

Zwei Komponenten, klar verteilte Aufgaben

Das Zusammenspiel von A12 und CIB seven beruht auf einer klaren Trennung der Aufgaben. A12 stellt die Plattform für die modellbasierte Entwicklung von Anwendungen und Prozessen bereit. CIB seven übernimmt die Ausführung der darin definierten Workflows.

Dabei bleibt die Workflow-Engine eine eigenständige Komponente. Sie kann innerhalb der A12-Plattform eingesetzt, aber auch unabhängig davon betrieben werden. Diese Trennung schafft Flexibilität bei der Gestaltung der IT-Architektur und ermöglicht es, Plattform und Workflow-Engine entsprechend den jeweiligen Anforderungen weiterzuentwickeln.

Für mgm waren dabei mehrere Aspekte entscheidend:

Bestehende Prozesse weiterverwenden

Vorhandene Prozessmodelle können grundsätzlich erhalten bleiben, soweit sie mit der eingesetzten Engine kompatibel sind.

Komponenten unabhängig gestalten

Plattform und Workflow-Engine bleiben technisch getrennte Bausteine.

Den Betrieb flexibel organisieren

Die Architektur lässt unterschiedliche Infrastruktur- und Bereitstellungsszenarien zu.

Auf offene Standards setzen

Modellierte Prozesse und Entscheidungsregeln lassen sich nachvollziehbar dokumentieren und leichter in andere technische Umgebungen übertragen.

Die Architektur schafft damit Spielraum für Weiterentwicklung, ohne die gesamte Plattform an eine einzelne technische Komponente zu binden.

Vom digitalen Antrag zum automatisierten Verwaltungsprozess

Wie das Zusammenspiel in der Praxis aussehen kann, zeigt ein typisches Verwaltungsszenario: Eine Bürgerin oder ein Bürger reicht einen Antrag digital ein. Zunächst wird geprüft, ob alle Pflichtfelder ausgefüllt sind und die Eingaben den erforderlichen Formaten entsprechen. Solche Prüfungen und weitere fachliche Regeln lassen sich im modellgetriebenen Ansatz von A12 abbilden.

Für die Beschreibung des Prozessablaufs kommt Business Process Model and Notation (BPMN) zum Einsatz. Der international etablierte Standard ermöglicht es, Geschäftsprozesse grafisch darzustellen. Sichtbar wird beispielsweise, welche Schritte nacheinander erfolgen, welche Aufgaben anstehen und an welchen Stellen Entscheidungen getroffen werden.

Die fachlichen Entscheidungsregeln lassen sich ergänzend mit Decision Model and Notation (DMN) modellieren. Dieser Standard eignet sich etwa dazu, Kriterien für die Bewilligung oder Ablehnung eines Antrags nachvollziehbar abzubilden.

CIB seven führt den modellierten Workflow aus. Weitere Komponenten können anschließend Aufgaben wie die Erstellung und den Versand des Bescheids übernehmen. So entsteht ein durchgängiger digitaler Ablauf, in dem jede Komponente eine klar definierte Funktion erfüllt.

Je mehr dieser Schritte automatisiert ausgeführt werden können, desto weniger manuelle Eingriffe sind erforderlich. Im Idealfall lassen sich geeignete Vorgänge vollständig automatisiert bearbeiten, von der Antragserfassung bis zum Bescheid. Diese Form der Bearbeitung wird als Dunkelverarbeitung bezeichnet.

Prozesswissen bewahren, Technologie weiterentwickeln

Der Nutzen offener Prozessautomatisierung geht über den Austausch einer einzelnen Komponente hinaus. Prozessmodelle und Entscheidungsregeln bilden fachliches Wissen ab, das über Jahre hinweg aufgebaut wurde. Sie dokumentieren, wie eine Organisation arbeitet, welche Regeln gelten und wie Entscheidungen zustande kommen.

Werden Prozesse auf Basis offener Standards wie BPMN 2.0 und DMN modelliert, bleibt dieses Wissen strukturiert und nachvollziehbar. Das erleichtert die Weiterverwendung, wenn sich technische Rahmenbedingungen ändern. Zwar ist die Übertragbarkeit im Einzelfall von der eingesetzten Technologie und den verwendeten Funktionen abhängig, offene Standards schaffen dafür jedoch eine wichtige Grundlage.

Gerade für Behörden und Organisationen mit langfristigen Digitalisierungsprojekten ist das bei der Prozessautomatisierung relevant. Plattformen werden modernisiert, technische Komponenten ausgetauscht und neue Anforderungen integriert. Wenn die fachlichen Modelle dabei erhalten bleiben, muss nicht bei jeder technologischen Veränderung von vorn begonnen werden.

So lassen sich bestehende Investitionen schützen und zugleich neue technische Möglichkeiten erschließen.

KI in modellbasierte Prozesse integrieren

Auch KI lässt sich über CIB seven gezielt in den Prozessablauf einbinden. Die Engine legt fest, an welchen Stellen KI einen Beitrag leistet und wie ihre Ergebnisse in den weiteren Ablauf einfließen. A12 ergänzt das auf der Entwicklungsebene durch KI-gestützte Modellierung.

Fazit: Offenheit schafft Handlungsspielraum

Das Zusammenspiel von A12 und CIB seven zeigt, wie sich eine modellgetriebene Plattform mit einer eigenständigen Open-Source-Workflow-Engine verbinden lässt. Die klare Trennung der Komponenten ermöglicht es, bestehende Prozesse weiterzuverwenden, den Betrieb flexibel zu gestalten und die technologische Grundlage gezielt weiterzuentwickeln.

Digitale Souveränität entsteht dabei nicht durch eine einzelne Technologie, sondern durch die Möglichkeit, Architekturentscheidungen selbst zu treffen und Systeme langfristig an neue Anforderungen anzupassen. Offene Standards, unabhängige Komponenten und wiederverwendbare Prozessmodelle schaffen dafür eine wichtige Grundlage.

Häufige Fragen

Als die freie Weiterentwicklung der Community Edition von Camunda 7 auslief, suchte mgm eine offene und langfristig weiterentwickelte Grundlage für bestehende Prozesse. CIB seven ist die Open-Source-Fortführung von Camunda 7 unter der Apache-2.0-Lizenz.
Nein. Nach Angaben von mgm konnte der vorhandene Code unverändert weiterverwendet werden.

Ja. CIB seven bleibt eine eigenständige Komponente und kann innerhalb der A12-Plattform eingesetzt oder unabhängig davon betrieben werden.

Souveränität in der Prozessautomatisierung bedeutet, Architekturentscheidungen selbst treffen und Systeme langfristig an neue Anforderungen anpassen zu können, ohne von einem einzelnen Anbieter oder proprietären Lizenzmodell abhängig zu sein. Offene Standards wie BPMN und DMN sowie eine permissive Open-Source-Lizenz wie Apache 2.0, unter der CIB seven steht, schaffen dafür die technische Voraussetzung.

CIB Group

Die Digitalisierungsexperten

CIB Group
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.